Fassung *Gö
Kapitel 221

221. Der Missionsbefehl (Mt 28,16-20) A1221. Der Missionsbefehl (Mt 28,16-20) ] Überlieferung: Gö 346vb29-347vb39 ; Mk 163v11-167r10 Mk

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1[Gö, 346vb] Nu gee wir zu dem ewangeli, da unser herre zu dem achten mal erschayn, und spricht also Mathei xxviii:

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A32.1–5 Mt 28,16-20 1BMt 28,16'DieA1Die] grüne Initiale über drei Zeilen mit roter Rankenverzierung, marginal Kapitelzählung: cc xxvij aindlf jungerA1junger] gunger Mk giengen hintz Galilea auf den perg, da hin yn JhesusA1hin yn Jhesus] in jesus hin Mk gesagt het. 2BMt 28,17Und da sie in sahen, anpetenA1anpeten] do an pettent Mk sie yn, so zweivelten auch ettleichA1auch ettleich] etleich auch Mk. 3BMt 28,18Da gieng Jhesus [347ra] zu yn und redteA1redte] retde zu in Mk und sprach: "Mir ist aller gwalt gegeben yn himel und auff erdeA1auff erde] auch auff ertreich Mk. 4BMt 28,19Da von geet, lernt alle diethA2dieth 'Völker', vgl. MWB 1, Sp. 1292 → diet und tauffet sie yn dem namen des vaters und des suns und des heiligen gaists, BMt 28,20und leretA1leret] leret S {lerte , lerte Mk} sie behalten alles, das ich ew gepoten habe. 5Und secht, nembtA1nembt] vnd nempt Mk war: Ich pin mit ew alle tag untz an der werlt ende."'

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1Glos: NAchA1NAch] blaue Initiale über drei Zeilen mit roter Rankenverzierung und nach links blickendem Gesicht diesen sachen, die da geschehenA1geschehen] geschahen Mk warn, A3Mt 28,16'da giengen die aindlf junger von Jerusalem hintz Galilea auf den perg Thabor, als yn unser herre gesagt het', das istA1ist] fehlt Mk, als er yn gepoten und geordentA1geordent] geoͤrdet Mk hiet, das er sichA1sich] fehlt Mk yn sichtikleich da ertzaigen wolt, als erA1er] er Mk, ir yn fur behaissenA1behaissen] gehaissen Mk het. A33.1–2 Mt 28,17 2'Und da yn die junger lebenden da sahen, da anpeten sie yn.' 3Spricht kunig Salomon: A3Sir 35,20'Die got anpeten, die werdent mit frewden emphangen.'

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1Und dannoch zweivelten ettleichA1zweivelten ettleich] zweyfelt etleicher Mk junger davon, das die sach noch new was, A3Lc 24,37'und wontenA2wonten = wânten 'glaubten, vermuteten', das sie ainen gaist sehen'. 2Spricht sand Gregorius: Das unsers herren junger tragleich glaubtenA1glaubten] fehlt Mk, das ist ain vestigung unser krankait; wann davon, das sie zweivelten, ertzaigte er ynA1yn] fehlt Mk sein urstend mit manigemA1manigem] manigen Mk urkund. 3A3vgl. Lc 24,39Er lies sich sehen und greiffen, [347rb] A3vgl. Lc 24,43er ass mit yn; A3vgl. Lc 24,39 dasA1das] das das Mk mag anA1an] fehlt Mk aynem geist nicht gesein. 4Und da die junger dannoch nicht gelaubten, da gieng unser herre zu yn gesellichleich undA1und] Er Mk sprach trostleichenA1trostleichen] zu in nuͤstleich Mk und redte mit yn offenleich also: A3Mt 28,18'Mir ist geben aller gewalt yn himel und auff erdenA1auff erden] in erdreich Mk gemainkleich.'

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1Spricht die glos also: Der ee hat gereichsentA2gereichsent 'geherrscht', vgl. Lexer 2, Sp. 420, s. v. rîchesenrîchesen yn denn himeln, das der nü reichsentA1reichsent] reichsent S, reichsen A1yn denn himeln, das der nü reichsent] fehlt (Augensprung) Mk mit dem glauben auf dem erdreich, als an dem paternoster spricht: A3Mt 6,10'Dein willeA1wille] wille Mk, wilde werd als yn himel und auf erdA1als yn himel und auf erd] auff dem erdreich als da ze himel Mk.' 2Davon sprach unser herre: A3Mt 28,19'Get, lernt alle dietA2diet 'Völker', vgl. MWB 1, Sp. 1292 → diet .' 3Geet wa hin? 4A3vgl. Mc 16,15'Yn alle werltA1werlt] die welt Mk.' 5Das ist wider die, die nicht gen wellen und ire ambt nicht begenA1begen] legent Mk, nur allain, da man es gern sihetA1sihet] secht Mk und da sie nicht gebrechenA1gebrechen] gepresten Mk leiden. 6Auch sprach unser herre: 'LertA1Lert] lert Mk, lerte ', das ist wider die, die nicht genA1gen] gern Mk wellen dahin, da sie yr ambt mit rechter ler begen solten. 7Er sprach: A3vgl. Mc 16,15'Yn alle werltA1werlt] di welt Mk', das ist wider die, die da hin yn gots dienst nicht arbaiten wellent, da kristenleichem glauben durftA2durft 'nötig, notwendig', vgl. MWB 1, Sp. 1453, s v. durft 2.1 → durft werA1durft wer] dienst waeren Mk zu lernen und ze predigen. 8Er sprach: A3Mt 28,19'allerA1'aller] alle Mk diet', das ist wider dieA1ist wider die] wider die ist Mk, die der lewt gestalt liebA1lieb] fehlt Mk habent und nur zu ettleichen lewten gend, die yn gevallent, das ist unsers herren lere nicht. 9Es [347va] taten auch die zwelfpoten wider unsers herren lere nicht, der nachvolger nu ettleicheA1nu ettleiche] etleich nuͤ Mk sind. 10Unser herre hies sein junger yn alle werlt gen predigen. 11SechtA1Secht] sech Mk, das geschach nu offenleichA1nu offenleich] offenlich nu Mk, das er yn fur gesagt hiet, da er sprach: A3Mt 10,27'Was ir yetzundA1yetzund] alson Mk hort yn die orn an der stille, das predigt auf den tächern.'

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1Unser herre sprach: A36.1–2 Mc 16,16'Wer glaubt und getaufft wirdetA1wirdet] waerd Mk, der wirdet behaltenA1behalten] behabt Mk. 2Wer aber nicht glaubt, der wirdet verdambt.' 3Nu merket: unser herre sprach nicht: wer nicht getauft wirdet, der wirdetA1wirdet] wirt nicht Mk verdambt. 4Wann anA2an = âne die tauf wirdetA1wirdet] so wirt Mk der mensch behalten, ob yn eehaft notA2eehaft not 'gesetzlich anerkannte Notsituation', vgl. MWB 1, Sp. 1501, s. v. êhaft 1.1 → êhaft der tauf irret und die heilikait der tauf nicht versmahet. 5Davon das fur an dem ewangeli von Nicodemo geschriben ist, das unser herre zu Nicodemo sprach also: A3vgl. Io 3,5'Wer nicht wider geborn wirdet zum andern mal mit der tauff, der kumbt yn das himelreich nicht', dasA1das] fehlt Mk verstet man also: wer versmächt geborn werdenA1werden] wurden Mk mit der tauff. 6Wann A1Wann ] vnd Mkwer getauft sol werden, derA1der] das Mk mus glauben mit ym selb, ob er altA1alt] so alt Mk ist, oder mit ainem andern als die kinder, die sich nicht verstendA2die sich nicht verstend 'die (noch) keine Einsicht haben'. 7An der selben kinder stat muezzen ander lewt des gelaubens verjehenA2verjehen 'bekennen'. 8UnserA1Unser] vnd Mk [347vb] herre sprach: A3Mt 28,19-20'Und tauft sie yn dem namen des vaters und des suns und des heiligen geists und lernt sie behalten alles, das ich ew gepoten habA1hab] han das sprach vnser Mk.' 9Da bei ist zu merken, das kristenleicher gelaub anA2an = âne kristenleiche werkh tod ist. 10Davon sol man Kristes gelauben mit werchen behalten vestikleich und entzikleichA2entzikleich = emzeclich ‘beständig’, vgl. MWB 1, Sp. 1589 → emzeclich . 11Unser herre spricht: A3Mt 28,20'Lernt sie behalten alles, das ich ew gepoten hab', nicht ains oder zwai. 12Und werA1wer] der Mk ain gepot zeprichtA1zepricht] prichet Mk, der ist der andern aller schuldig.

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1Spricht Crisostimus : Wann yn unser herre so grozze und starkheA1grozze und starkhe] grozzes vnd starkchs Mk ding empholhen het, da trost er sie und sprach: A3Mt 28,20'SechtA1Secht] Sech Mk, ich pin mit ew untz an der werlt ende.' 2Ich pin mit ew mit schermA1scherm] schrayn Mk der himelischen tugentA1tugent] tugenden Mk; ich pin mit ew mit hielff ewr arbait; ich pin mit ew mit gegenwurtikait meins leichnams und plutsA1pluts] meins pluets Mk. 3Unser herre sprach: A3Mt 28,20'Untz an der werlt end.' 4Damit sind yn ir geselschafft beslossen alle, dieA1die] di die Mk an Jhesum Cristum gelaubent und sein gepot behaltent von dannen und von ymA1ym] in Mk untz an denA1den] dem Mk jungsten tag.5In die selbA1selb] selben Mk geselschaft undA1und] vnd in Mk gemainschaft der seligen undA1und] vnd der Mk heiligen zwelfpoten geruche uns got bringen, der ewicleich gesegent ist. AmenA1Amen] Ende Mk.